Gasheizung auf Wärmepumpe umrüsten: Kosten, Förderung und Ablauf
Rund 28.000 bis 42.000 Euro brutto, nach Förderung oft 12.000 bis 25.000 Euro: Der Wechsel von Gas auf Wärmepumpe ist planbar, wenn Reihenfolge und technische Voraussetzungen stimmen. Dieser Leitfaden zeigt Ablauf, Kostenpositionen und Alternativen ohne Verkaufsprosa.
Wann sich der Wechsel besonders lohnt
- Gasheizung ist älter als 15 Jahre und muss ohnehin bald ersetzt werden.
- Sie planen den Verbleib im Haus über die nächsten 10+ Jahre.
- Klimageschwindigkeitsbonus möglich (Selbstnutzer, Gasheizung ≥ 20 Jahre).
- Kommune plant Gasnetz-Rückbau oder Fernwärme-Umbau.
- Dach ist für PV geeignet, Kopplung reduziert Stromkosten deutlich.
Technische Prüfung vor dem Austausch
- Heizlastberechnung (DIN EN 12831) statt Faustformel.
- Vorlauftemperatur-Test an der Bestandsheizung bei niedriger Außentemperatur.
- Heizkörper-Bestandsaufnahme: welche reichen, welche müssen getauscht werden.
- Prüfung Zählerschrank auf Ertüchtigungsbedarf.
- Aufstellort mit Schallabstand zum Nachbarn.
- Grundstückscheck bei Sole/Wasser-Optionen.
Typischer Projektablauf
Alle Kostenpositionen
| Position | Typisch |
|---|---|
| Wärmepumpengerät (Luft-Wasser, 8–12 kW) | 10.000 – 16.000 € |
| Installation und Montage | 3.500 – 6.500 € |
| Planung, Heizlast, hydraulischer Abgleich Verfahren B | 800 – 2.000 € |
| Warmwasserspeicher und Pufferspeicher | 1.500 – 3.500 € |
| Heizkörper-Anpassung (0 – 5 Räume) | 0 – 5.000 € |
| Elektroanschluss, Zählerschrank, Wärmestromzähler | 1.200 – 3.500 € |
| Demontage Gasheizung, Entsorgung | 800 – 1.800 € |
| Stilllegung Gasanschluss (optional) | 300 – 800 € |
| Außerbetriebnahme Schornstein | 50 – 150 € |
| Inbetriebnahme, Einweisung, Protokoll | 400 – 900 € |
Fördermöglichkeiten
Grundlage ist das KfW-Programm 458. Bei einer alten Gasheizung (≥ 20 Jahre) sind für Selbstnutzer 50 – 70 % Zuschuss realistisch, maximal 21.000 Euro im Einfamilienhaus.
Beispielrechnung vor und nach Förderung
| Position | Betrag |
|---|---|
| Wärmepumpe komplett | 34.000 € |
| Grundförderung 30 % | –9.000 € |
| Klimageschwindigkeitsbonus 20 % (Gas > 20 J.) | –6.000 € |
| Effizienzbonus 5 % (R290) | –1.500 € |
| Eigenanteil | 17.500 € |
Annahme: förderfähige Kosten 30.000 € (Deckel), Selbstnutzer, Fördersatz 55 %.
Gasanschluss, Gaszähler, Schornstein
- Gasanschluss stilllegen: beim Netzbetreiber beantragen, 300 – 800 €, spart 150 – 250 € Grundgebühr pro Jahr.
- Gaszähler: wird bei Stilllegung ausgebaut, keine zusätzlichen Kosten.
- Schornstein: Außerbetriebnahme durch Schornsteinfeger (50 – 150 €). Rückbau optional, oft nicht wirtschaftlich, solange keine Wanddurchbrüche stören.
Heizkörper, Warmwasserspeicher, Elektroanschluss
- Heizkörper: Prüfung mit Vorlauftemperatur-Test. Meist bleiben 80 – 100 % der Heizkörper, kritisch sind schmale Bad- und Konvektor-Heizkörper.
- Warmwasser: Ein Wärmepumpen-optimierter Speicher mit größerer Wärmetauscherfläche ist Standard. Alternative: Frischwasserstation für höheren Hygienestandard.
- Elektro: Ein separater Wärmestromzähler und ein 3-poliger Absicherung sind meist Pflicht. Bei alten Zählerschränken kommt eine Ertüchtigung (800 – 2.500 €) hinzu.
Jährliche Kosten: Gas vs. Wärmepumpe
| Position | Gas-Brennwert | Wärmepumpe |
|---|---|---|
| Energiebedarf (15.000 kWh Wärme) | 16.500 kWh Gas | 4.300 kWh Strom |
| Energiekosten (12 ct Gas / 26 ct Wärmestrom) | 1.980 € | 1.120 € |
| CO2-Preis (2026 ff., Pfad BEHG) | ca. 320 € | 0 € |
| Zähler / Grundgebühr | 200 € | 150 € |
| Wartung | 200 € | 220 € |
| Summe pro Jahr | ca. 2.700 € | ca. 1.490 € |
Vollständige Umrüstung oder Hybridlösung?
| Gas behalten | Hybridlösung | Vollständig Wärmepumpe | |
|---|---|---|---|
| Investition | 0 € | 17.000 – 29.000 € | 28.000 – 42.000 € |
| KfW-Förderung | – | Anteilig, nur WP-Teil | 30 – 70 % |
| Betriebskosten p. a. | 2.700 € | ca. 2.100 € | ca. 1.500 € |
| GEG-Konformität ab 2028/2045 | Nein | Übergangsweise | Ja |
| Empfehlung | Nur wenn Verkauf < 5 J. | Sehr unsaniert, Übergang | Standardfall |
Typische Fehler bei Angeboten
- Wärmepumpe zu groß dimensioniert (führt zu Taktbetrieb, hohem Stromverbrauch).
- Keine Heizlastberechnung, sondern Faustformel „30 W/m²“.
- Hydraulischer Abgleich Verfahren A statt B (KfW-untauglich).
- Fehlende Elektroertüchtigung im Angebot, Nachforderung nach Auftrag.
- Vertragsunterzeichnung vor KfW-Antrag ohne aufschiebende Bedingung – Förderung verloren.
- Warmwasserspeicher unterdimensioniert, Nachheizstab läuft ständig.
Häufige Fragen
- Was kostet die Umrüstung von Gas auf Wärmepumpe?
- Typischerweise 28.000 bis 42.000 Euro brutto. Nach KfW-Förderung bleibt ein Eigenanteil von 12.000 bis 25.000 Euro, je nach Boni und Gebäude.
- Lohnt sich der Wechsel bei einer neuen Gasheizung?
- Selten kurzfristig, aber wenn CO2-Preis, GEG und mögliche Gasnetz-Rückbaupläne einbezogen werden, kann sich der Wechsel schon nach 8–12 Jahren rechnen. Bei Gasheizungen älter als 15 Jahre lohnt es fast immer.
- Was passiert mit dem Gasanschluss?
- Sie können ihn stilllegen (einmalig 300–800 Euro) und die Grundgebühr sparen (150–250 Euro pro Jahr). Bei einer Hybridlösung bleibt der Anschluss bestehen.
- Muss der Schornstein zurückgebaut werden?
- Nein. Wird er nicht mehr genutzt, reicht die Außerbetriebnahme durch den Schornsteinfeger. Ein Rückbau ist optional und kostet 800–2.500 Euro.
- Kann ich die Heizkörper behalten?
- In den meisten Fällen ja. Ausreichend große Plattenheizkörper (Typ 22/33) funktionieren mit Vorlauftemperaturen um 50 °C. Einzelne kleine Heizkörper werden bei Bedarf getauscht.
- Was ist mit dem Warmwasserspeicher?
- Ein neuer Trinkwasserspeicher mit größerer Wärmetauscherfläche ist meist Teil der Anlage. Kosten: 1.200–2.500 Euro, in Angeboten enthalten.
- Wie lange dauert die Umrüstung?
- Von der Beauftragung bis zur Inbetriebnahme vergehen typischerweise 3–5 Monate. Die eigentliche Bauzeit im Haus liegt bei 3–7 Arbeitstagen.
- Was ist eine Hybridheizung?
- Wärmepumpe und Gas-Brennwertgerät arbeiten zusammen: die Wärmepumpe deckt den Grundbedarf, das Gasgerät springt bei sehr niedrigen Temperaturen ein. Sinnvoll in schlecht sanierten Altbauten als Übergangslösung.
Quellen und Stand
- KfW-Programm 458 (BEG-EM), Merkblatt Stand Juli 2026
- Gebäudeenergiegesetz (GEG), Fassung 2024, Übergangsregelungen bis 2045
- BDEW Strompreisanalyse und Wärmestromtarife 2026
- Fraunhofer ISE, Wärmepumpen im Bestand
Aktualisiert: Juli 2026. Alle Angaben sind Richtwerte; verbindliche Kosten liefert nur ein Vor-Ort-Angebot.
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